Der Tag begann, wie er am Vorabend geendet hatte, mit Regen. Auch für die nächsten Tage waren teils grosse Niederschlagsmengen angesagt. Montag ist wieder Arbeitstag und so schlugen wir uns einmal mehr mit dem längst fälligen Hilfsmittelpaket und unserer beschränkt fahrtauglichen Karre herum.
Zig Mails und Anrufe waren nötig, um wieder einen Schritt weiter zu kommen. Der unfreundliche asiatische Camping- betreiber warf uns um 10 Uhr raus und hatte kein Verständnis für unsere Situation. Am Strassenrand und nur noch wenig Internetguthaben warteten wir auf Nachricht, wie es mit unserem Fahrzeug weiter gehen soll. Endlich erhielten wir die (nicht gerade positive) Nachricht, dass um ca. 14 Uhr das Fahrzeug in Queenstown abfahrbereit sei und uns um ca. 18 Uhr in Dunedin erreichen würde. Die Stimmung war so ziemlich im Eimer und wir hatten keinen Bock, stundenlang blockiert an Strassenrand bis am Abend auf Ersatz zu warten. Schliesslich hatten wir im Vergleich zu Kanada mehr als das Doppelte für die Fahrzeugmiete bezahlt und waren für Ferien hier und nicht um Stunden- und Tagelang uns um fahrtauglichen Untersatz zu kümmern. So entschieden wir uns, die Reise Richtung Süden fortzusetzen. Unsere Route weiter Richtung Süden führte der Küste entlang und sollte nicht zu viele Steigungen haben, ausserdem wurden wir schon einmal mit dem gleichen Schaden wieder auf die Reise geschickt. Unser Plan kam dem Chauffeur des Abschleppunternehmens entgegen, da sich durch unsere Weiterfahrt nach Invercargill sein Anfahrtsweg verkürzte.
Bevor wir Dunedin verliessen, mussten wir unbedingt noch an die Baldwin Street. Die Baldwin Street wurde im Guinness-Buch der Rekorde bis 2019 als steilste Strasse der Welt geführt. Aufgrund der extremen Neigung wurde sie aus Beton anstatt aus Asphalt gebaut, da Asphalt an heissen Tagen schmelzen und die Straße hinabrutschen würde.
Den Titel der steilsten Strasse der Welt hat die Baldwin Street zwar an Ffordd Pen Llech in Harlech, Wales, abgeben müssen, aber dennoch ist die einstige „World’s Steepest Street“ rekordverdächtig: Bei einer Länge von 350 Metern hat die Strasse in Dunedin auf der Südinsel Neuseelands eine maximale Steigung von 1:2,86 oder 35 Prozent. Das bedeutet, dass es pro 2,86 Metern Strecke einen Meter steiler wird. Und das ist eine ganze Menge! Als wäre das nicht schon Sehenswürdigkeit genug, machen sich Touris einen Spass daraus, diesen besonderen Ort so zu fotografieren, dass es aussieht, als stünden die Häuser am Hang allesamt schief – natürlich handelt es sich dabei nur um eine optische Täuschung. Denn wer so ein Foto machen will, richtet den Horizont der Kamera einfach an der Strasse aus. Die Strasse erscheinen somit gerade, die Häuser sehen aus, als kippten sie zur Seite oder würden im Boden versinken.
Alina lief die ganze Strasse hoch, Flurin und ich schafften immerhin die Hälfte, während Hajo das Wohnmobil hütete, da in der Einbahnstrasse kein Weiterkommen war und er mit unserer Hilfe die Strasse im Rückwärtsgang verlassen musste.
Und los ging’s mit der Fahrt. Obwohl wir mehrfach an Steigungen an den Strassenrand fahren und unser Fahrzeug neu starten mussten, um wieder Zug zu haben, stieg unsere Stimmung wieder. Den ganzen Tag über liess Petrus die Schleusen offen. Wir genossen die Fahrt vorbei an nun deutlich grünerem Grasland (hier regnet es deutlich mehr und es sind keine mobilen Bewässerungsanlagen mehr zu sehen) und unzähligen Schafherden. Einmal wurde unsere Durchschnittsgeschwindigkeit stark gedrosselt, als ein Bauer vor uns auf seinem Quad versuchte, ein ausgebüxtes Schaf wieder zu seiner Herde auf der Weide zu scheuchen.
Nach gut drei Stunden Fahrt erreichten wir Invercargill, den südlichsten Punkt unserer Reise. Diese Route hatten wir anfangs nicht geplant, aber es ermöglichte uns, die lange Fahrt zu unserem nächsten Ziel in zwei kürzere Etappen aufzuteilen. Während ich mich um die Grossreinigung der kleinen Familienmitglieder kümmerte, hielt Hajo Stellung bei unserem Vehikel und tatsächlich tauchte schon bald der Fahrer mit unserem Ersatzfahrzeug auf. Nun galt es also, weiterhin bei strömendem Regen, alles einzupacken, zu zügeln und alles wieder auszupacken und zu verstauen. Die Innenausstattung im zweiten Wohnmobil ist deutlich schöner und moderner, wir hoffen, das Fahrzeug ist auch entsprechend besser auf der Strasse unterwegs. Nach all dem Stress gönnten wir uns ein feines Abendessen in einem besseren Restaurant, welches uns von der Campingbetreiberin empfohlen wurde. Wir wurden sogar eigens dafür vom Restaurant abgeholt, damit wir nicht mit dem Wohnmobil hinfahren mussten! Satt und müde liessen wir uns in die frischen Betten plumpsen. Für das Abendlied würde einmal mehr der Regen sorgen…
Übrigens haben wir heute erfahren, dass wir leider unsere Pläne für die nächsten Tage ändern müssen: der Besuch von Milford Sound ist nicht möglich, da die Strasse vermutlich eine Woche, infolge Strassenschäden, verursacht durch sintflutartige Regenfälle, geschlossen sein wird ;-(. Schade, Aber kann man nix machen.
„Meldung Milford Sound“:
3 February 2020 2:42 pm | Waka Kotahi NZ Transport Agency
Waka Kotahi NZ Transport Agency says the Milford Road, SH94, could be closed all this week given the damage from torrential rain in the past 24 hours, forecast to continue today and tomorrow.
The road was closed earlier today between Cascade Creek and West Gate (the Chasm). A state of emergency for the Fiordland community board area was declared by Southland Civil Defence before 2 pm today.
A small number of tourists were earlier choppered out from Forks Bridge about 1.5 km from the Homer Tunnel, says Transport Agency Journey Manager Peter Brown.
A busload of 27 will be airlifted out in the next hour or so at Hollyford Road, he says.
“There is extensive damage from Lake Gunn to the Homer Tunnel which will delay us opening this road quickly and there is still a section we haven’t inspected due to bad weather preventing a fly-over.”
Southland Civil Defence declared a state of emergency for Fiordland community board area at 1.45 pm today.