Nach einer stürmischen Nacht weckten uns Sonnenstrahlen und warmes, fast schon heisses Wetter. Doch der Schein trügte, es würde sich bald schon ändern… Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir los wieder Richtung Küste. Kurz vor Oamaru erreichten wir das Meer. Der Himmel war in der Zwischenzeit grau und bedeckt, erste Regentropfen setzten ein.
Die von weissen Steinen geprägte, historische Innenstadt von Oamaru gehört zu den best erhaltenen Neuseelands. Im späten 19. Jahrhundert sorgten Goldminen, Steinbrüche und Holzmühlen für Wohlstand in der Stadt. Ein Teil des neuen Reichtums wurde in elegante Gebäude aus einheimischen Sandstein investiert.
Fasziniert haben uns die steilen Strassen, welche uns an San Francisco erinnerten. Eine dieser Strassen haben wir ausprobiert und von oben die wunderbare Aussicht auf die Stadt, die Küste und das Meer genossen. Der Hafen von Oamaru ist ausserdem die Heimat einer Zwergpinguinkolonie. Von einem versteckten Aussichtspunkt aus können zudem Gelbaugenpinguine beobachtet werden. Die besten Pinguinbeobachtungen gibt es kurz vor Sonnenuntergang. Weil die Tageszeit für eine Pinguinbeobachtung ungünstig war, buchten wir gleich eine abendliche Tour auf einer Halbinsel vor der nächstgelegenen Stadt Dunedin, welche wir als unser heutiges Etappenziel anpeilten.
Unterwegs Richtung Süden legten wir einen Stopp in Moeraki ein. Moeraki ist mittlerweile wohl am bekanntesten für seine Boulders; mysteriöse, kugelförmige Felsen, die über einen Strand verteilt sind. Bei Flut sind sie im Wasser, bei Ebbe liegen sie im Sand. Jeder Fels wiegt mehrere Tonnen. Die Moeraki Boulders sind unterschiedlich gross: Ihr Durchmesser reicht von 0,5 m (wie ein großer Ball) bis fast 3 m (größer als ein Mensch)! Die Oberfläche einiger Kugeln ist glatt, andere sind wiederum von Strukturen und Mustern überzogen. In ihrer Form sind es fast perfekte runde Kugeln, halb eingegraben im Sand. Im Inneren sind die Boulders übrigens hohl. Wissenschaftler erklären, dass die Steine in Wahrheit vor etwa 65 Millionen Jahren entstandene Calcit-Konkretionen sind. Jahrtausende der Erosion haben die Kugeln freigelegt und geschliffen. Nach den Legenden der Maori sind die Moeraki Boulders Rest von Aalkörben, Flaschenkürbissen und Süßkartoffeln, die aus dem Wrack des Kanus Arai-te-uru am Strand angespült wurden. Die Klippen am Shag Point sollen die Reste des versteinerten Boots sein und ein Felsvorsprung in der Nähe der Kapitän.
In kleinen Grüppchen verteilen sich die Steinkugeln am Stand. Auf einige kann man heraufklettern, einige liegen offen wie hohle Körbe. Wir strotzten dem regnerisch kühlen Wetter, Alina badete gar ihre Füsse im Meer, und spazierten der Küste entlang, um ein paar schöne Erinnerungsfotos zu knipsen.
Auf der Weiterfahrt nach Dunedin machte unser Fahrzeug erneut Schwierigkeiten und wir beteten vor jedem Anstieg, dass wir mit genügend Schwung oben ankommen würden. Bei mittlerweile Starkregen erreichten wir den Campingplatz von Dunedin, wo wir gleich (erneut) unsere Vermietung kontaktierten. Bis zum Eintreffen des bestellten Autodoktors erledigten wir ein paar Schularbeiten, das Hudliwetter liess eh keine grossen Outdooraktivitäten zu.
Es wurde entschieden, dass unser Gefährt definitiv in eine Garage muss und wir am nächsten Tag eine andere Karosse bekommen würden. Da somit die ca. 50-minütige Fahrt auf die Otago-Peninsula zu den Pinguinen und Albatrossen unmöglich war, handelten wir mit der Campervermietung aus, dass sie die Taxikosten (die Autovermietungen waren alle geschlossen) übernehmen würden. Darüber waren wir gar nicht unglücklich, denn längere Abschnitte der kurvenreichen Strasse sind im Neubau und somit mussten wir die ganzen Baustellen und Schlaglöcher nicht mit dem Wohnmobil kreuzen.
In der Bucht sahen wir ein Kreuzfahrtschiff nach, welches von einem Lotsenschiff durch den Kanal ins offene Meer geleitet wurde.
Bei Dämmerungseinbruch erreichte das Taxi die Pinguinstattion. Schon beim Aussteigen beschlich uns ein mulmiges Gefühl.. kein Licht, alles geschlossen, keine Menschenseele war zu sehen. Nach kurzer Rücksprache mit dem Taxifahrer fuhren wir weiter und erreichten bald die Royal Albatross Station. Hier empfingen uns viele Möven und einige Albatrosse kreisten über die Wiesenlandschaft.
Von hier aus startete um 21:15 Uhr die geführte Tour zu den heimkehrenden Zwergpinguinen. Dafür stiegen wir die Stufen zum Meer hinunter. Von einer beleuchteten Plattform aus konnten wir beobachten, wie sie durchs Wasser ans Ufer pfeilten, über Sand und Stein an Land hüpften und nach einer aufwändigen Reinigung den Weg bergaufwärts zu ihren Nestern suchten. Alina hatte gar eine Robbe entdeckt, welche sich am steinigen Ufer hin und her wälzte. Flurin beobachtete einen kleinen Hasen, welcher den Pinguinen Gesellschaft leistete. Zu später Stunde waren unsere Kinder hellwach und total begeistert von dieser Begegnung. Wir hatten Glück, dass es für einmal an diesem Tag trocken blieb. Wir waren alle froh, dass uns das warme Taxi wieder den weiten Weg zurück in die Stadt chauffierte. Um Mitternacht erreichten wir unser zu Hause und jeder schlüpfte gerne unter die warme Decke, während draussen erneut Regen einsetzte.