An diesem kühlen Morgen waren Faserpelz und lange Hose (für alle ausser Hajo natürlich) nicht verkehrt. Wir entschieden uns, nach Tagwache sobald als möglich loszufahren. Das wichtigste für Flurin war, dass er sich für die erste Etappe noch im Pyjama, mit einem Schälchen Cornflakes, in den Autositz setzen durfte. So hatten wir es schon vor 5,5 Jahren in Kanada hin und wieder gemacht, an was sich sogar Flurin erinnerte und ultimatives Campingfeeling bedeutet.

Die Reise ging weiter, nun weg von der Ebene in die Berge, zwischendurch über langgezogene Hochplateaus. Im nächsten grösseren Ort (und das kann in Neuseeland dauern!) haben wir unser Gefährt vollgetankt. Schon länger hing der Duft nach Verbranntem in der Luft. An der Kasse lagen Zeitungen auf, welche Bilder von Waldbränden zeigten. Die Kassierin erklärte uns, dass wir auf dem Weg nach Lake Tekapo an der Brandstelle vorbeifahren würden. Tatsächlich waren nach einigen Kilometern Feuerwehrleute damit beschäftigt, die verbleibenden Glutnester im Unterholz zu löschen. Offene Feuer waren zum Glück keine zu sehen und es schien, dass die Lage unter Kontrolle sei.

Rechtzeitig zur Znünipause erreichten wir den Lake Tekapo. Es herrschten angenehme 25 Grad, obwohl der Himmel leicht bedeckt war. Unglaublich, wie sich der Ort in der Zeit seit unserem letzten Besuch verändert hat. Wo vor 13 Jahren nur eine kleine Kapelle mit einem Parkplatz für einen kurzen Halt einlud, gibt es nun Supermärkte, Motels,Resorts, Backpackers, ein riesiges Youth Hostel, grosszügige Villen eine moderne Brücke und riesige Parkplätze für Cars, Autos und Wohnmobile.

Alina und Flurin wollten unbedingt im See schwimmen gehen, angesichts der eher kühlen Wassertemperatur beliessen sie es aber beim Füsse annetzen.

Aufgefallen ist mir, wie stark wir vom geplanten (oder verplanten?) Alltag geprägt sind. Oft kam von den Kindern die Frage, wo unser Campingplatz sei, wo wir nächtigen werden, wann wir den Ort erreichen würden, ob es um 19 Uhr Abendessen gebe etc. Das freie Gestalten des Tages ohne fixe Zeiten und Ziele, ohne klare Vorstellung, bis wohin die Reise an dem Tag gehen würde und die Möglichkeit, einfach mal drauf los zu fahren und dort zu stoppen und zu verweilen, wo es uns gefällt, sind sie sich nicht gewohnt.

Um die Mittagszeit haben wir den Weg wieder unter die Räder genommen. Die Strasse führte weiter durch eine wilde und karge Landschaft, welche nur schwach besiedelt ist. Immer wieder sind Kuh- und Schafherden zu sehen. Am nächsten See, dem Lake Pukaki, mit türkisfarbenem Wasser (leider war der Himmel bedeckt, sonst wären die Farben wahrscheinlich noch kräftiger ausgefallen) machten wir eine Stunde Pause, bevor wir Richtung Aoraki und Mount Cook abbogen. Die Route führte dem See entlang und war für Hajo sehr anstrengend zu fahren, da immer wieder plötzlich starke seitliche Windböen unser Fahrzeug erfassten und uns kräftig durchschüttelten. Wir erfuhren später, dass heute Windgeschwindigkeiten um die 100 km/h gemessen wurden.

Ausserdem sorgte unser Fahrzeug erneut für Ärger, die Warnlampe leuchtete wieder auf und teils hatte der Motor kaum Zug drauf. Ein paar Mal mussten wir dafür an den Strassenrand fahren und den Motor neu starten, bevor unsere Reise weiter gehen konnte. Nach einer 55 km Fahrt erreichten wir Aoraki in der Nähe des Mount Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Hier wurde ein grosses Heritage Center gebaut, welches den neuseeländischen Bergsteiger Sir Edmund Hillary (Erstbesteiger des Mount Everest, den höchsten Berg der Erde im Jahr 1953) würdigt. Natürlich haben wir ihn mit unseren Kindern auf ein Foto verewigt. Rund um das Heritage Center erheben sich gewaltige Berge, unter anderem der Mount Cook. Die Berge sind schneebedeckt und teils kleben gewaltige Gletscher an ihren Abhängen.

Auf unserem Rückweg hielten wir kurz an einem Lavendelfeld an. Ein Neuseeländer hat hier diese wohlriechende Pflanze angebaut und schlägt mit Eintrittskarten und Produkten Profit.

Da wir zeitlich gut dran waren und Hajo sich noch sehr fit zum fahren fühlte, setzten wir unsere Reise fort wieder zurück in Richtung Meer. Am frühen Abend suchten wir uns unterwegs einen Campingplatz. In der Camping-Küche haben wir uns einen leckeren Znacht gekocht, wobei die Kinder, trotz Hunger, eigentlich gar keine Zeit hatten. Ein Wohnmobil der gleichen Vermietung (wir hoffen, das ist kein schlechtes Omen für uns) musste ausgetauscht und abgeschleppt werden, und das war in diesem Moment viel interessanter als der knurrende Magen.

Wir verzogen uns aber gleich danach in unser Wohnmobil, denn Regen zog auf und der Wind hatte noch nicht ausgeblasen.

Richtung Lake Tekapo Bei den Pinguinen