Die erste Nacht verlief sehr unruhig, immer wieder gab es starke Winde und plötzlich aufkommende Böen. Wir vertrauten darauf, dass die Bäume in der Umgebung einen relativ stabilen Eindruck machen und diese bestimmt schon etliche Stürme überdauert hatten.

Die meisten der Familie schliefen diese erste Nacht gut. Da ich mich nur im Bett wälzte entschied ich mich, den Fotoapparat zu zücken und nach schönen frühmorgendlichen Panoramaansichten zu suchen. Alles war still, kein Mensch unterwegs. Ich zog im Pyjama quer über den Campingplatz bis zur Strasse. Am Himmel zeichnete sich immer mehr ein leichtes Morgenrot ab. Da mich ziemlich sicher niemand beobachtete, stieg ich am Spielplatz auf den Kletterturm und versuchte ein schönes Bild zu schiessen. Der kühle Wind zog mich nochmals unter die Decke und ich kam doch noch auf ein wenig Schlaf.

Tagwache war heute mal etwas später, wir kamen kurz nach acht aus den Federn. Damit es uns nicht das Frühstück vom Tisch fegte, verköstigten wir uns in der nahen Camingküche.

Danach stand eine Schulstunde an. Eine freie Tisch- und Bankgruppe am Ende des Campingplatzes erlaubte es unseren Kindern, in Ruhe (falls nicht gerade wieder ein Windstoss kam) etwas von ihren Schulaufgaben zu erledigen. Kurz nach elf brachen wir unsere Zelte ab und kurvten Richtung Christchurch.

Bei der Campingvermietung sollten heute die medizinischen Hilfsmittel für Flurin eintreffen. Die Organisation dieser Gegenstände (über viele E-Mails und Anrufe) war sehr aufwändig und wir waren noch ziemlich skeptisch, ob es auch wirklich klappen würde. Ausserdem leuchtete immer wieder eine Warnlampe im Wohnmobil auf, weshalb wir gleich um einen Check des Fahrzeuges fragten. Dies nahm, wie erwartet, Zeit in Anspruch. Aber da unser Paket noch nicht eingetroffen war und noch Lieferungen kommen würden, verzögerte sich unsere Weiterfahrt. Wie leider befürchtet, kam unsere Sendung an diesem Tag nicht mehr an, weshalb wir darum baten, diese gleich zur nächst grösseren Wohnmobilstation weiterzuleiten. Hoffentlich klappt es dieses Mal. In weiser Voraussicht hatten wir zum Glück einiges an Material zur Reserve von zu Hause mitgenommen…

Als wir kurz nach 16 Uhr aufbrachen, kamen wir natürlich gleich in den Abend- bzw. Wochenendverkehr, was uns zusätzlich Zeit kostete auf dem Weg Richtung Süden. Zum Glück kamen wir ausserhalb der Stadt wieder gut voran. Auf dem Weg fuhren wir sehr lange der Bahnlinie entlang, wobei Strasse und Bahnlinie immer wieder die Seite wechselten. Die Landschaft war sehr flach, stark durch Landwirtschaft geprägt, entsprechend häufig sahen wir die riesigen mobilen Bewässerungsanlagen, ohne die momentan wohl kein Grün zu sehen wäre.

Da unser nächstes Ziel, Lake Tekapo, noch weiter weg lag, nächtigten wir in Geraldine, einem kleinen Städtchen unterwegs. Beim Abendessen trafen wir auf eine junge, 15-jährige Frau, die sehr gut Schweizerdeutsch sprach. Sie erzählte uns, dass sie in der Schweiz, im Tessin geboren sei. Ihre Mutter sei Schweizerin, mit der sie auch Dialekt sprechen, ihr Vater Neuseeländer. Am Campingplatz waren wir erstaunt, wie toll diese kleine Bleibe eingerichtet ist. Insbesondere die sanitären Einrichtungen sind sehr modern, familien- und behindertenfreundlich, was uns für die Versorgung von Flurin entgegenkam.

Diese Nacht war ausserordentlich ruhig und windstill, dafür erstaunlich kühl.

Mit dem Wohnmobil nach Hanmer Springs Lake Tekapo und Mount Cook