Heute Morgen waren die Kinder bereits um fünf Uhr wach, wir blieben bis um ca. sechs Uhr in unseren Träumen hängen. Bevor wir uns aufmachten, die Stadt zu erkunden, haben wir versucht, etwas Ordnung in unser Chaos zu bekommen und haben die Koffer umgepackt.

Da unser Motel sehr nahe an der Innenstadt liegt, konnten wir diese gut zu Fuss erreichen. Auf dem Weg kreuzten wir den Avon River und bogen in die New Regent Street ein. Sie wird oft als die hübscheste Strasse Neuseelands bezeichnet. Die pastellfarbenen Häuser wurden Anfang des letzten Jahrhunderts im spanischen Stil erbaut und gehören seitdem zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Christchurch. Die Häuser sind symmetrisch gebaut, d.h. auf der linken Seite befindet sich das Ebenbild von der rechten Häuserreihe. Dank ihrer stabilen Bauweise wurden die hübschen Häuser während der Erdbeben-Katastrophe kaum beschädigt.

Wir haben uns hier vor eines der vielen Cafés gesetzt und uns ein leckeres Frühstück gegönnt. Dabei konnten wir dem regen Treiben auf der Strasse (vor allem Touristen) und den vorbeifahrenden alten Trams zuschauen. Bald hatte Flurin im Geschäft nebenan einen Plüsch-Kiwi entdeckt, von dem er nicht mehr ablassen wollte. Nach einem Deal mit Papa, Tausch von zu Weihnachten erhaltenen Aussie-Dollars gegen New Zealand Dollars kaufte sich Flurin sein erstes Souvenir.

Kurz darauf haben wir uns in eines der Trams gesetzt und eine Runde in der Stadt gemacht. Wir fuhren durch die Einkaufsmeile, an der Kathedrale vorbei und konnten uns so einen Überblick über die Innenstadt verschaffen. Die alten Fahrzeuge, zum Teil offen, primär aus massivem Holz gebaut werden noch von Hand bedient, und der Chauffeur bereichert die Fahrt mit interessanten Ausführungen (nicht vom Tonband, sondern live!). Wir erfahren dabei, dass beim verheerenden Erdbeben vom Februar 2011 in der Innenstadt über 90% der Gebäude zerstört wurden. Auch heute sind noch sehr viele Gebäude eingezäunt, durch Stützen vor dem Einsturz gesichert oder warten darauf, wieder hergerichtet zu werden. Das hat uns sehr berührt.

Hajo und ich waren auf unserer Hochzeitsreise im Jahr 2006 hier, also vor dem grossen Erdbeben…

Nach der Runde durch die Stadt kamen die Kinder erst richtig auf ihre Kosten. Wir hatten in der Nähe einen riesigen Spielplatz entdeckt, auf dem sich die Kinder wohl Tage hätten vergnügen können. Neben Rutschbahnen aller Art, Schaukeln für Gross und Klein, Klettertürmen und Strickleitern gab es einen grossen Sandhaufen, einen Wasserspielplatz, grosszügige sanitäre Anlagen, Verpflegungsstände sowie Grillplätze. Ein richtiges Paradies für Kinder und Familien.

Später haben wir uns aufgemacht zum Cathedral Square. Es bot sich uns ein trauriges Bild. 137 Jahre lang war die Christchurch Cathedral das Prachtstück von Christchurch. Nun zeigen die Reste der schönen Kirche eindrucksvoll, mit welcher Wucht das verheerende Erdbeben im Februar 2011 zahllose Gebäude zerstörte. Der Glockenturm der neugotischen Kathedrale hielt den Erschütterungen nicht stand und stürzte ein. Nach den letzten Nachbeben mussten weitere Teile der nun einsturzgefährdeten Kirche entfernt werden.

Ein Plakat an den Absperrgittern informierte darüber, dass im Herbst 2020 (also mehr als neun Jahre später!) mit den Stabilisierungsarbeiten begonnen werden soll…

Zur Freude aller machten wir noch eine weitere Fahrt mit dem Tram, dieses Mal mit einem offenen Gefährt. Kleine Schilder an den Bänken und ein Erinnerungsfoto informierten darüber, dass in diesem Tram König Willem Alexander mit seiner Gattin Máxima im November 2016 und zu einem anderen Zeitpunkt auch Prinz Harry eine Runde drehten. Wir konnten gar auf der Bank des holländischen Königspaares sitzen! Foto unerlässlich… ob es für ein Schild mit unserem Namen reicht entzieht sich unserer Kenntnis ;-).

So allmählich stellte sich eine allgemeine Müdigkeit ein (man muss aber sagen, dass wir alle erstaunlich fit waren nach der ganzen Reiserei gestern!) und wir traten unseren Heimweg an. Wir durchquerten den botanischen Garten und den Hagleypark, eine wunderschöne, riesige Grünanlage mitten in der Stadt, und erreichten so wieder unsere Unterkunft.

Wir waren uns alle einig, dass wir einen interessanten und abwechslungsreichen Tag in der Stadt verbracht hatten.

Reise nach Christchurch Akaroa - Banks Peninsula